Bayerisches Staatswappen

Diplomierungsfeier der Beamtenfachhochschule

Respekt, Achtung und Verständnis

Über 2000 Stunden Unterricht und drei Jahre Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung lagen hinter den Männern und Frauen. Eine kurzweilige Abschlussfeier beendete nun ihre Zeit in Wasserburg.

Wasserburg – „Sie haben Entschlossenheit und Zielstrebigkeit bewiesen. Seien Sie stolz drauf!“ Dieses Lob des Fachbereichsleiters Sozialverwaltung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern, Rainer Schmid, sorgte bei der Diplomierungsfeier des Prüfungsjahrgangs 2016 im Rathaussaal für den Einstieg in einen kurzweiligen und würdigen Rück- und Ausblick auf Ausbildung und berufliche Anforderungen des Verwaltungsnachwuchses. 44 Absolventen konnten ihre Diplomurkunde entgegennehmen und werden als Diplomverwaltungswirte (FH) bei den Trägern der Deutschen Rentenversicherung, dem Zentrum Bayern Familie und Soziales oder Sozialgerichten tätig sein.

 
Besser als der Bundesdurchschnitt

Drei Jahre Studium in Wasserburg und mehr als 2000 Stunden Unterricht lägen hinter den frischgebackenen Trägern eines akademischen Titels, so Rainer Schmid. Von ursprünglich 54 hätten 44 durchgehalten, damit läge man besser als der deutsche Durchschnitt, nach dem mehr als ein Drittel ihr Studium abbräche.
   Verantwortungsvolle Stellen in der Verwaltung auszufüllen sei eine besondere Aufgabe, für die es sich lohne zu arbeiten. Der öffentliche Dienst habe allen Beamtenwitzen zum Trotz ein hohes Ansehen, denn soziale Sicherheit sei wichtig. Allerdings gäbe es keinen Stillstand in der Entwicklung und Fort- und Weiterbildung seien nötig. Wichtig sei es allerdings auch, für die Menschen da zu sein.
   Stellvertretender Bürgermeister Otto Zwiefelhofer griff dies in seinem Grußwort auf, indem er an die stetige Zunahme der Sozialleistungen, die gestiegenen Anforderungen und die immer zahlreicher werdenden Gesetze erinnerte. Hier seien die neuen Diplomanden Scharnier zwischen Rechtsgrundlagen und den Anliegen von Bürgern. Er hoffe aber auch, dass nicht nur erworbenes Wissen, sondern auch die Erinnerung an Wasserburg dauerhaft im Gedächtnis bleibe.
   Humorvolle aber auch kritische Töne schlug Festredner Jürgen Schulan an. „Genießen Sie diesen Tag!“ empfahl er den Diplomanden. Atmosphäre und Gefühle in der Erinnerung seien größer als alle Selfies. Eine Maschine könne im Bereich der Rentenversicherung nicht den Menschen ersetzen, deshalb würden alle gebraucht. Bedauerlicherweise gäbe es immer noch eine Menge Vorurteile im Bereich des öffentlichen Dienstes, für deren Vorhandensein er auch Schuldige benannte. Mangelnde Arbeitseinstellung bei Einzelnen, populistische Politikeräußerungen, selten fundiert oder wohlwollend berichtende Medien sorgten für eine gewisse Schieflage in der öffentlichen Meinung. Dabei sei die heutige Leistungsverwaltung nicht nur ein wichtiger Stabilitätsfaktor in der Gesellschaft, sondern auch ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen. Darum werde man auch von anderen Bundesländern beneidet.
   Den Beruf mit Herz und Verstand angehen solle jeder und das eigene Leben selbstbestimmt und verantwortungsvoll gestalten. Respekt, Achtung und Verständnis für sich selbst, die Familie und die Allgemeinheit zu leben, sei letztlich für beruflichen Erfolg entscheidend. Wenn das mehrheitlich auch in der Gesellschaft so gesehen würde, sei ein Leben in Frieden, Freiheit und Demokratie möglich.
   Kritische Töne schlug Schulan auch an. Vor allem politische Ignoranz, Desinteresse sowie Populismus gefährdeten seiner Ansicht nach die demokratischen Grundlagen, ebenso wie dauerhafter Konsum von „medialem Schrott“. Vor allem Konzerne, die sich des Trends zur pausenlosen Nutzung des Internets bedienten, um Menschen zum kritiklosem, leicht zu manipulierenden Humankapital zu machen, hob er als Negativbeispiel hervor. Jeder sei gefordert, diesem Trend entgegenzuwirken.

Erlebnisse mit „Eichberger“

Dr. Björn Scheffczyk als Vertreter der Diplomanden rückte in einigen Episoden den Alltag der Studienjahre in den Vordergrund. Vor allem die Erlebnisse mit Schulkatze „Eichberger“, den Online-Stundenplänen, dem Essen, absurden Rechtsfällen oder einem psychologischen Selbsterfahrungsexperiment sorgten auf Grund anschaulichster Schilderung für viel Heiterkeit im Saal.
   Abschließend wünschte die Vorsitzende des Fördervereins, Brigitte Schulan, allen neuen Diplomanden, dass ihnen möglichst wenige Fehler unterlaufen mögen. Rückrufaktionen bei Rentenbescheiden liefen eben nicht so wie bei Samsung oder BMW. Auch die Zeit des Studiums könne man nicht zurückrufen. Alternativ lud sie die Diplomanden ein, auch weiterhin einige Angebote des Fördervereins zu nutzen und Wasserburg so in guter Erinnerung zu behalten.
   Bei der Überreichung der Diplome zum Abschluss der Feier wurden als Beste ausgezeichnet: Franziska Dauner (ZBFS Schwaben, 2,12); Janina Baumgartner (DRV Schwaben, 1,96); Stefan Stadlmayr (DRV Schwaben, 1,80); Frank Sebald (ZBFS Oberfranken, 1,76); Julia Beck (DRV Nordbayern, 1,65); Daniela Dumser (ZBFS Mittelfranken, 1,54).

 

Wasserburger Zeitung vom 29. Oktober 2016